HONIG
HONIG - ein Stück Natur im Glas
Was Bienen, Blüten und Landschaft damit zu tun haben.
Vom Bienenvolk ins Glas
Honig ist viel mehr als nur etwas Süßes aufs Brot.
Hinter jedem Glas steckt das Zusammenspiel von Bienen, Pflanzen, Landschaft, Wetter und Jahreszeit – und natürlich die Arbeit der Imkerin oder des Imkers.
Doch wie entsteht Honig eigentlich? Warum schmeckt nicht jeder Honig gleich? Warum wird Honig irgendwann fest? Und was macht regionalen Honig so besonders?
Genau darum geht es auf dieser Seite.
Warum ich dieses Wissen mit euch teile
Seit ich mich intensiver mit Bienen und der Imkerei beschäftige, ist für mich auch Honig etwas ganz anderes geworden.
Früher war Honig vor allem eines: Honig.
Heute sehe ich darin viel mehr.
Die Landschaft, in der die Bienen unterwegs waren. Die Pflanzen, die gerade geblüht haben. Das Wetter während der Saison. Die Arbeit eines ganzen Bienenvolkes – und schließlich auch die Arbeit, die nach der Ernte notwendig ist, bis der Honig im Glas landet.
Je mehr ich darüber gelernt habe, desto faszinierender wurde dieses scheinbar so einfache Lebensmittel.
Und genau diese Begeisterung möchte ich mit euch teilen.
Nicht kompliziert, sondern verständlich und möglichst praktisch.
Denn wer weiß, wie Honig entsteht, versteht auch besser, warum sich Honig verändern darf und warum nicht jedes Glas und nicht jede Ernte vollkommen gleich sein müssen.
Wie entsteht eigentlich Honig
Alles beginnt draußen in der Natur.
Honigbienen sammeln entweder Nektar aus Blüten oder zuckerhaltige Ausscheidungsprodukte von an Pflanzen saugenden Insekten – den sogenannten Honigtau.
Doch was die Sammelbienen zurück in den Bienenstock bringen, ist noch kein fertiger Honig.
Im Bienenvolk wird das Sammelgut weitergegeben und verarbeitet. Dabei gelangen bieneneigene Stoffe hinein und gleichzeitig wird Wasser entzogen.
Schließlich wird der Honig in den Wabenzellen eingelagert.
Ist er ausreichend gereift, verschließen die Bienen die gefüllten Zellen mit einer dünnen Wachsschicht.
Aus Nektar oder Honigtau entsteht durch die Arbeit der Bienen Honig.
Was im Glas so selbstverständlich aussieht, ist das Ergebnis des Zusammenspiels eines ganzen Bienenvolkes.
Warum schmeckt mein Honig dieses Jahr anders?
Das ist für mich eine der schönsten Eigenschaften von regionalem Honig.
Bienen arbeiten nicht nach einer Rezeptur.
Sie sammeln das, was ihnen die Natur rund um ihren Standort anbietet.
Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle:
Welche Pflanzen blühen?
Wie viel hat es geregnet?
Wie warm war es?
Was bietet der Wald?
Wann beginnt und endet eine Tracht?
Was können die Bienen tatsächlich nutzen?
All das kann dazu beitragen, dass Honig aus derselben Region nicht jedes Jahr exakt gleich aussieht oder schmeckt.
Für mich ist das kein Fehler.
Es ist ein Teil dessen, was ein Naturprodukt ausmacht.
Honig ist nicht gleich Honig
Vielleicht habt ihr schon einmal zwei Honige nebeneinander probiert und festgestellt:
Der eine ist hell und mild.
Der andere dunkel und kräftig.
Ein Honig ist flüssig, ein anderer cremig oder bereits kristallisiert.
Das ist ganz normal.
Die Herkunft des Sammelgutes beeinflusst unter anderem Farbe, Aroma, Geschmack und Zusammensetzung des Honigs.
Und genau diese Vielfalt finde ich besonders spannend.
Blütenhonig
Blütenhonig entsteht überwiegend aus dem Nektar von Blüten.
Welche Pflanzen die Bienen besuchen können, hängt vom Standort, von der Jahreszeit und natürlich vom jeweiligen Pflanzenangebot ab.
Deshalb können auch Blütenhonige geschmacklich sehr unterschiedlich sein.
Sie können beispielsweise mild, blumig oder deutlich aromatischer ausfallen.
Mein Tipp
Probiert Blütenhonig einmal ganz bewusst pur vom Löffel und achtet nicht nur auf die Süße.
Was riecht ihr? Was schmeckt ihr? Und welches Aroma bleibt danach zurück?
Waldhonig
Waldhonig entsteht überwiegend aus Honigtau.
Dabei sammeln die Bienen zuckerhaltige Ausscheidungsprodukte pflanzensaugender Insekten, die beispielsweise auf Bäumen vorkommen.
Waldhonige sind häufig dunkler und geschmacklich kräftiger als viele Blütenhonige.
Aber auch hier gilt:
Die Natur arbeitet nicht nach Rezept.
Nicht jedes Jahr bietet der Wald dieselben Bedingungen.
Und genau deshalb kann auch Waldhonig von Ernte zu Ernte Unterschiede zeigen.
Wusstest du schon? Honig kommt nicht immer aus Blüten !
Wenn wir an Bienen denken, sehen wir meist eine Biene auf einer Blüte vor uns. Doch Honigbienen können ihre Nahrung auch ganz woanders finden – im Wald.
Dort sammeln sie unter bestimmten Bedingungen Honigtau: zuckerhaltige Ausscheidungen pflanzensaugender Insekten, die sich von Pflanzensaft ernähren. Die Bienen nehmen diesen Honigtau beispielsweise von Nadeln, Blättern oder Zweigen auf und tragen ihn in den Bienenstock.
Daraus kann schließlich Waldhonig entstehen.
Das Spannende daran: Ob es eine ergiebige Waldtracht gibt, hängt von vielen Faktoren ab – vom Vorkommen geeigneter Pflanzen und Insekten ebenso wie von Wetter und Standort.
Blüten sind also nicht die ganze Geschichte.
Auch Bäume, Wälder und die kleinen, oft übersehenen Bewohner darin können für Honigbienen eine wichtige Rolle spielen.
Und genau daran sieht man besonders schön, wie viele Lebewesen in einem Ökosystem miteinander verbunden sind.
Und was ist mit Wildbienen?
Hier gibt es einen wichtigen Unterschied:
Wildbienen sammeln Pollen für ihren Nachwuchs an Blüten. Manche Arten sind dabei sogar auf bestimmte Pflanzen oder Pflanzengruppen spezialisiert.
Die Waldtracht beziehungsweise Honigtau spielt deshalb nicht dieselbe Rolle wie bei unserer Honigbiene.
Das zeigt sehr schön, warum ein bienenfreundlicher Garten viele unterschiedliche Blüten und natürliche Lebensräume braucht – auch wenn unsere Honigbienen zusätzlich andere Nahrungsquellen nutzen können.
Warum wird Honig fest ?
Eine Frage, die Imker wahrscheinlich immer wieder hören:
„Mein Honig ist fest geworden – ist er noch gut?“
Dass Honig kristallisiert, ist grundsätzlich ein natürlicher Vorgang.
Honig besteht zu einem großen Teil aus verschiedenen Zuckerarten, insbesondere Fructose und Glucose.
Wie schnell ein Honig kristallisiert, hängt unter anderem von seiner Zusammensetzung und den Lagerbedingungen ab.
Deshalb können manche Honige relativ schnell kristallisieren, während andere lange flüssig bleiben.
Kristallisation bedeutet also nicht automatisch, dass mit dem Honig etwas nicht stimmt.
Sie gehört zu seinen natürlichen Eigenschaften.
Vom Bienenstock ins Glas
Wenn der Honig reif ist, beginnt die Arbeit des Imkers.
Die Honigwaben werden aus dem Bienenvolk entnommen.
Anschließend werden die Wachsdeckel der reifen Honigzellen entfernt – das sogenannte Entdeckeln.
Danach kommen die Waben in die Honigschleuder.
Durch die Drehbewegung wird der Honig aus den Waben geschleudert.
Der Honig wird anschließend gesiebt, um beispielsweise Wachsteilchen zurückzuhalten.
Danach bekommt er Zeit zur weiteren Verarbeitung und Ruhe.
Je nach Honig und gewünschter Konsistenz kann er später auch gerührt werden.
Und irgendwann kommt der Moment:
Der Honig wird abgefüllt.
Von außen sieht man dann nur ein Glas Honig.
Aber dahinter steckt eine lange Geschichte.
Was ist eigentlich Cremehonig ?
Vielleicht habt ihr schon einmal einen wunderbar feincremigen Honig gegessen und euch gefragt, wie diese Konsistenz entsteht.
Dabei wird die natürliche Kristallisation gezielt begleitet.
Durch kontrolliertes Rühren während der Kristallisationsphase kann eine besonders feine Kristallstruktur entstehen.
Der Honig wird dadurch:
cremig · fein · streichfähig
Es handelt sich also nicht um eine eigene „Honigart“, der etwas zugesetzt werden müsste.
Es ist Honig, dessen Kristallisation entsprechend geführt wurde.
Und beim Frühstück hat Cremehonig noch einen ganz praktischen Vorteil:
Er bleibt meistens dort, wo er hingehört – auf dem Brot.
Muss Honig in den Kühlschrank ?
Normalerweise nicht.
Eine dunkle, trockene und eher kühle Lagerung ist geeigneter.
Im Kühlschrank kann die Kristallisation bestimmter Honige außerdem begünstigt werden.
Also lieber Speisekammer als Kühlschrank.
Kann ich festen Honig wieder flüssig machen?
Grundsätzlich kann kristallisierter Honig vorsichtig erwärmt werden.
Dabei gilt:
lieber langsam und schonend als unnötig heiß.
Wenn ihr Honig lediglich aufs Brot streichen möchtet, müsst ihr allerdings gar nichts machen.
Kristallisierter Honig lässt sich genauso genießen.
Honig im Tee:
Natürlich könnt ihr Tee oder andere Getränke mit Honig süßen.
Wenn euch neben der Süße auch das typische Aroma des Honigs wichtig ist, lasst ein sehr heißes Getränk vorher etwas abkühlen und gebt den Honig anschließend dazu.
So kommt auch der Eigengeschmack des Honigs besser zur Geltung.
Wichtig: Kein Honig für Babys unter einem Jahr !
So natürlich Honig auch ist, für Säuglinge im ersten Lebensjahr ist er nicht geeignet.
Honig kann Sporen von Clostridium botulinum enthalten.
Für ältere Kinder und Erwachsene stellt dies aufgrund des weiter entwickelten Verdauungssystems normalerweise nicht dasselbe Problem dar.
Deshalb gilt:
Babys unter 12 Monaten keinen Honig geben.
Das gilt auch für Speisen und Getränke, denen Honig zugesetzt wurde.
Ist Honig gesund?
Rund um Honig findet man viele Aussagen über mögliche gesundheitliche Wirkungen.
Ich möchte hier bewusst vorsichtig bleiben.
Honig besteht zu einem großen Teil aus verschiedenen Zuckerarten und ist damit ein zuckerreiches Lebensmittel.
Er enthält darüber hinaus Wasser und zahlreiche weitere Bestandteile in unterschiedlichen Mengen.
Aber Honig muss für mich kein „Wundermittel“ sein, um etwas Besonderes zu sein.
Sein Wert liegt für mich vor allem in:
- seiner faszinierenden Entstehung
- seiner Verbindung zur Landschaft
- seiner geschmacklichen Vielfalt
- seiner regionalen Herkunft
- und natürlich im Genuss
Deshalb halte ich es lieber so:
Honig genießen statt Heilsversprechen machen.
Warum regionalen Honig kaufen?
Beim Honig aus der eigenen Region könnt ihr etwas erfahren, das bei einem anonymen Produkt leicht verloren geht:
seine Geschichte.
Ihr könnt wissen:
- wo die Bienenvölker ungefähr stehen
- welche Landschaft sie umgibt
- wer den Honig geerntet und abgefüllt hat
- aus welcher Ernte er stammt
- und wer hinter dem Produkt steht
Wer direkt bei einer Imkerei kauft, kauft deshalb nicht einfach nur ein Glas Honig.
Man bekommt ein kleines Stück der Region mit nach Hause.
Und gleichzeitig unterstützt man die Imkerei vor Ort.
Und was passiert mit dem leeren Honigglas ?
Wenn das letzte Honigbrot gegessen ist, muss die Geschichte des Glases noch nicht zu Ende sein.
Wenn ihr unsere Gläser zurückbringt, können geeignete Gläser wiederverwendet werden.
Bitte das Glas möglichst sauber zurückgeben.
So vermeiden wir unnötigen Aufwand und können Verpackungen sinnvoll mehrfach nutzen.
Honig mit anderen Augen sehen
Seit ich Bienen halte, sehe ich ein Glas Honig anders.
Ich sehe darin nicht nur ein Lebensmittel.
Ich denke an die Bienen.
An die Pflanzen.
An das Wetter.
An unsere Landschaft.
An die Arbeit im Bienenvolk.
Und natürlich auch an all die Arbeitsschritte, die notwendig sind, bis der Honig schließlich im Glas landet.
Vielleicht geht es euch nach dieser Seite ein kleines bisschen genauso.
Honig entdecken.
Verstehen, wie er entsteht.
Seine Vielfalt genießen.
Und wissen, wo er herkommt.
Honig beginnt nicht im Bienenstock, sondern draußen in der Landschaft .
Möchtet ihr wissen, was Bienen in unseren Gärten brauchen?